Das Geheimnis des Inquisitors – Kapitel 37

Joran

Joran machte sich Gedanken über den Lehrplan. Arghan erwartete, dass sie von ihm lernten, in ein Haus einzusteigen. Sie mussten lernen, mit Wachen und Alarmanlagen fertig zu werden, am besten lautlos, und den Hausherrn zu ermorden. Und, was noch wichtiger war, danach in einem Stück zu entkommen.

Ein bisschen machte er sich Sorgen darüber, dass er selbst keine Erfahrung auf dem Gebiet hatte. Wenigstens hatte er einen kreativen Verstand, er war schon in der Lage, sich so etwas auszumalen. Zumindest das mit den Alarmanlagen war einfach, immerhin hatte er sie größtenteils selbst entworfen. Arghan hatte ihn damals angewiesen, in jede eine Schwachstelle einzubauen. Angeblich, falls der Hausherr sich mal aussperrte… das war ihm damals schon komisch vorgekommen. Doch jetzt machte das ganze natürlich mehr Sinn.

Arghan, du verdammtes Schlitzohr. Aber gut, in unserem Fall ist es tatsächlich sinnvoll, dass ich damals nicht nachgefragt habe.

Er rekapitulierte noch einmal die Alarmanlagen und Abwehrmechanismen, die am häufigsten verkauft wurden, und setzte sie auf seine Liste. Er nahm sich vor, sie zu Trainingszwecken zu bestellen. Diese Ausgaben würde Arghan schon verschmerzen können, immerhin war es für die Wissenschaft. Arghan steckte viel Hoffnung und Geld in dieses Projekt. Die Chance, seinen Erzfeind, den Orden, loszuwerden, ließ er sich tatsächlich einiges kosten.

Arghan hatte mit seinen Fabriken bereits mehr verdient, als er auf normalem Wege je würde ausgeben können. Und da er sogar die Luxusgüter zu Fabrikpreisen bekam (immerhin wurden sie in seinen Fabriken hergestellt, oder in denen seiner Freunde aus der Loge) hatte er keine Geldnöte. Thorns kleines Komplott war eine vielversprechende Investition.

Nun gut, das mit den Abwehrmaßnahmen überwinden hätten wir also. Zeit, ein paar Pülverchen zusammenzustellen, die die beiden einsetzen können, um unentdeckt zu bleiben.

Er hatte einst ein sehr nützliches Pulver erfunden, um Nebel zu erzeugen. Im Innern von Gebäuden war diese Variante etwas zu auffällig. Aber um außen eine schlechte Sicht zu erzeugen, im Zuge derer man vorbeischlüpfen konnte, war das durchaus sehr praktisch.

Sie erforderte Ammoniak als Zutat zu Bor. Joran wusste nicht, ob dieser Nebel Nebenwirkungen hervorrief. Beziehungsweise, vielleicht war der Nebel nur die Nebenwirkung einer mehr oder weniger gefährlicheren anderen Reaktion. Aber bisher war er noch nie von dem Nebel beeinträchtigt worden, und er dachte, dass Varg und Dania damit schon klarkämen.

Sicherheitshalber würde er unter Umständen eine Schutzmaske entwerfen. Vielleicht hatte sie sogar den netten Nebeneffekt, dass ihre Gesichter unkenntlich gemacht werden würden. Und wie stand es eigentlich mit einer Maske, die einen gegen die Effekte von Bor immun machte? Zumindest gegen die, für die es erforderlich war, dass man die Substanz irgendwie aufnahm?

Genug jetzt, konzentriere dich auf deine Arbeit, erfinden kannst du später noch.

Er hatte auch einst ein Pulver entdeckt, dass die Haut widerstandsfähiger und härter machte, wie eine natürliche Rüstung, sodass die beiden theoretisch auch nackt kämpfen konnten, ohne dass sie allzu viel befürchten mussten. Das sollte Dania…

Was denkst du da schon wieder, Joran!? Das ist respektlos ihr gegenüber. Er wischte all das fort und versuchte, sich wieder auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Das Schutzpulver schrieb er auf jeden Fall mal auf. Davon würde er auch größere Mengen herstellen, es wurde aus Knochenmehl hergestellt. Es ging auch mit tierischem, aber menschliches Knochenmehl erzielte bessere Resultate, hatte er festgestellt… in Lagon waren Leichen nicht besonders schwer aufzutreiben.

Für Jorans Arbeit musste niemand sterben, das widersprach seinem Kodex von einem besseren Leben durch Forschung definitiv. Aber er hatte trotzdem immer ein sehr mulmiges Gefühl dabei, wenn er menschliche Zutaten verwendete. Würden sie nur nicht so unbestechlich gut wirken!

Das brachte ihn auf zwei andere sehr erfolgreiche Pulver, eins aus Muskelmasse, und eins, harmloser, aus Ohrenschmalz. Das erste machte einen stärker, das zweite verstärkte das Gehör, beides waren sehr naheliegende Wirkungen. Es kam ihm durchaus so vor, als hätte bei diesen Rezepturen ein Gott seine Hand im Spiel gehabt, und sich hin und wieder einen Scherz erlaubt.

Dass man für das Vergissmich-Pulver die Blume Myosotis Sylvatica brauchte – auch als Vergissmeinnicht bekannt – deutete tatsächlich auf einen Gott mit sehr zweifelhaftem Humor hin.Oder wenig Fantasie.Joran schüttelte den Kopf, und war froh, dass er diese Macht auch nutzen konnte, ohne diesem seltsamen Typen huldigen zu müssen. Er war wohl längst vergessen, und seine Macht geschwunden.

Auch diese Pulver landeten auf seiner Liste. Ihm fielen nur noch ein Nachtsichtpulver aus Sonnenblumen und ein Feuerpulver aus Asche ein. Das konnte im Kampf gegen große Gruppen verwendet werden, oder eben für Brandstiftung, oder alles andere, wozu die Menschen seit Urzeiten Feuer nutzten. Es erlaubte allerdings nicht dieselbe Kontrolle wie ein Flammensplitter.

Joran war zufrieden. Diese Menge an Pulvern konnte er zeitnah herstellen. Die Zutaten waren nicht allzu schwer zu bekommen. Er würde Arghan anweisen, die menschlichen Zutaten bereits fertig abgepackt zu ihm zu schicken. Er hatte nicht den Nerv, die Leichen einzeln auseinandernehmen zu müssen.

Sonstige Spionage-Mittelchen waren leider noch nicht erfunden, aber er würde sich eben ranhalten und testen, testen, testen. Leider konnte er schlecht ermessen, worauf es beim Spionieren ankam… aber das würden ihm Varg und Dania wohl bald sagen können.

Er ging nach draußen, um einen der Diebe mit Bestellungen zu Arghan Howl zu schicken.

Author: Nami

Nami is a Cyberpunk, sysadmin, musician, und writes a lot. As an activist they fight for open access to art, continents, and trains for everyone. But in secret they just want to be a reeaal hacker.

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