Das Geheimnis des Inquisitors – Kapitel 2

Dania

Die Straßen des siebten Bezirks waren grausam zu ihren Füßen. Dania hatte sich nie ganz daran gewöhnt. Ihre nackten, aufgeschundenen Fußsohlen schmerzten, wie immer, wenn sie nüchtern war.

In den reicheren Bezirken bestanden die Straßen aus fest gestampfter trockener Erde, aus Brettern, die einen eine Handbreit über dem allgemeinen Unrat entlang führten, oder sogar aus Passgenau eingefassten Steinplatten in den luxuriösen Bezirken. Hier war der Boden ein unfertiges Gemisch aus Geröll, undefinierbarem Schlamm und Stroh, dass die Leute hier verstreuten, um der allgemeinen Suppe aus Pisse und Blut Herr zu werden.

Eine schlechte Mixtur, wenn man keine Schuhe besaß, um sich vor den Scherben, Metallsplittern und sonstigem Müll zu schützen, die sich darin verbargen. Und Dania hatte solange sie denken konnte keine Schuhe mehr besessen.

Sie hatte gelernt, die Straße mit ihren Fußsohlen zu lesen. Sie konnte die Gassen des siebten Bezirks blind voneinander unterscheiden, eine Fähigkeit, die sehr nützlich war, wenn man seinen Lebensunterhalt nachts verdiente. Licht gab es hier nach Sonnenuntergang keines, wenn nicht irgendwo etwas brannte. So war sie auf das Wissen ihrer Füße angewiesen.

Doch noch war es Tag, und in ihrem verdreckten Kleid machte sie sich keine Illusionen, dass sie jetzt einen guten Kunden finden würde. Mit den paar Flammlingen, die sie im Geldbeutel hatte, konnte sie sich es leisten, bis nachts zu warten. Wenn ihre Kunden sie so sahen, würden sie sie auch nur für Dreck halten, und wären noch gröber, als sie es so schon waren. Die Dunkelheit schützte ihre Würde zumindest ein wenig.

Also machte sie sich auf die Suche nach ein wenig Brocken. Die ehrbaren Diebe, die Gang, die das Brocken auf der Straße verkaufte, hatten jetzt ihre Hauptgeschäftszeit. Sie hatte gestern kein Brocken genommen, und es wurde langsam Zeit, bevor sie tipsig wurde. Mit Brocken würde die Arbeit ihr heute Abend auch leichter fallen, also beeilte sie sich, in die namenlose Gasse drei Straßen weiter zu kommen, in der gerade das reinste Brocken des Viertels verkauft wurde.

Sie ging so schnell sie eben konnte, ohne sich zu verletzen, voller Erwartung an den Rausch. Als sie um eine Ecke bog, wäre sie fast in jemanden hinein gerannt; doch sie hielt rechtzeitig an und konnte es vermeiden, das Gleichgewicht zu verlieren und in den Unrat auf dem Boden zu fallen.

„Dania? Das ist ja ein Zufall! Schön, dich zu sehen.“ Die Frau stellte ihre Tasche auf eine trockene Stelle am Boden, um sie zu umarmen.

Dania freute sich auch, sie zu sehen. „Hallo Stepanie! Was machst du denn im siebten Bezirk, wohnst du jetzt nicht im achten?“

Stepanie schulterte ihre Tasche wieder. „Ja, du weißt doch, mein Mann ist jetzt bei den ehrbaren Dieben im achten Bezirk. Ist auch für Mia besser dort. Aber zum Einkaufen gehe ich immer noch in den siebten rüber, diese neumodischen Konservendosen, die von der Kutsche fallen, sind dort einfach billiger. Da müssen Hunnar und seine Jungs noch einiges von euren Dieben lernen, die können Mengen von dem Zeug auftreiben, das ist unglaublich…“

Dania freute sich, Stepanie zu sehen. Sie redete immer ein bisschen zu viel, aber Dania nahm ihr das nicht übel. Sie kannten sich seit Jahren. Dania hatte in der Scheiße gesteckt, Stepanie hatte sie vorübergehend aufgenommen. Dania hatte nicht viele Freunde, und keine, die so viel für sie getan hatten wie Stepanie. Da hörte sie gerne mal ein bisschen Tratsch.

Dania schmunzelte. „Ja, die Diebe sind hier definitiv besser auf Zack. Ich muss ständig aufpassen, dass sie mich nicht erwischen… freie Konkurrenz ist hier ja nicht gerne gesehen. Wie überall.“ Sie zuckte mit den Achseln. „Aber meistens halten sie mich eh nur für eine Bettlerin, und ich passe auf, dass ich nicht die falschen anspreche.“

Stepanie berührte sie fürsorglich am Arm. „Hast du noch nie darüber nachgedacht, dir einen professionellen Zuhälter zuzulegen? Hunnar erzählt mir ja nicht viel von seiner Arbeit… ist vielleicht auch besser so. Aber die könnten dich beschützen, und du müsstest auch nicht in so einem Fetzen herumlaufen. Wäre das nicht sicherer? Du weißt doch, dass ich mir immer Sorgen um dich mache.“

„Klar erzählt dir Hunnar nicht viel. Wenn ich mit dir verheiratet wäre, würdest du auch nichts von meiner Arbeit erfahren!“ Sie lachte schelmisch.

Stepanie verdrehte die Augen. „Du weißt, was ich meine. Und rede nicht schlecht über ihn, er kümmert sich vorbildlich um mich.“

Dania winkte ab. „Für dich mag das eine Lösung sein, dich von Männern beschützen zu lassen – du hast einen gefunden, der dich liebt. Aber selbstständige Huren wie ich sind Freiwild. Für uns würde sich absolut niemand einsetzen… außer dir natürlich.“ Dania gab Stepanie einen Kuss auf die Wange.

„Ich verstehe das nicht, wenn ich auch nur einen Splitter deiner Schönheit abbekommen hätte, hätte ich dutzende Männer wie Hunnar um mich herum, die mich den ganzen Tag bewirten und mir Weintrauben zu essen geben. Womit habe ich mit meinen dicken Armen und klobigen Gesicht so einen fürsorglichen Mann verdient?“ Stepanie hatte ehrliches Unverständnis ins Gesicht geschrieben. Es schmeichelte ihrem hervorstehenden Kinn, der Quelle von Stepanies Unsicherheit.

„Weil du viel besser aussiehst, als du dir einredest. Und großzügig und herzlich bist du noch dazu. Aber wenn ich zu den Dieben hier im siebten gehe, wollen die achtzig Prozent und ich darf das Haus nicht mehr verlassen. Nein danke. Dein Mann mag dich lieben, aber Huren sind für einen Dieb alle gleich. Und ich werde nie wieder zulassen, dass ein Mann so viel Kontrolle über mein Leben hat.“

Dem konnte Stepanie nicht widersprechen. Die ehrbaren Diebe waren für vieles bekannt, unter anderem dafür, einen Gefallen immer zu erwidern, und in ihren krummen Geschäften eine gewisse Ehrlichkeit an den Tag zu legen. Sie hielten sich vielleicht nicht an das Gesetz Lagons, das von der Miliz durchgesetzt wurde, aber ein Geschäft war für sie heilig. Und wenn alle anderen Huren unter ihrem Schutz achtzig Prozent ihres Einkommens abgeben mussten, würde Dania das auch tun müssen. Und dass sie die Frau eines ehrbaren Diebes mittleren Ranges kannte, würde absolut nichts daran ändern.

Dania wechselte das Thema. „Wie geht es eigentlich Mia im achten Bezirk?“

Stepanies Augen leuchteten, sie liebte ihre Tochter über alles. Dania wusste das. Deswegen hatte sie gefragt. „Sie blüht auf! Die Kinder im achten Bezirk sind nicht so gemein zu ihr wie die im siebten, und viele von ihnen haben sogar Eltern. Wir verbringen viel Zeit miteinander, ich muss nicht arbeiten, solange Hunnar alleine genug Geld für uns drei verdient. Es tut gut, sie zu einem gesunden Mädchen heranwachsen zu sehen, und in einem besseren Viertel, nicht in diesem Loch von einem Bezirk.“

Dania kicherte. „Stimmt, im achten gibt es diesen komischen Magister, nicht wahr? Hat der nicht ein paar Macken?“

„Mein Mann freut sich, dass er so nachlässig ist. Von seinen Milizen haben sie eigentlich gar nichts zu befürchten. Und das Steuergeld, dass er nicht einnimmt, verwendet er noch, um Spielgeräte für Kinder zu bauen. Alles in allem eine friedliche Atmosphäre, wir haben echt Glück, einen Magister zu haben, der nicht die Hälfte der Steuern in seinen eigenen Taschen verschwinden lässt und dann noch seine Miliz auf die Bevölkerung hetzt, wie der Magister im siebten.“

Dania verstand nichts von Politik, lachte aber trotzdem mit Stepanie. Sie war gelöst durch die Unterhaltung. Stepanie war eine gute Freundin, und taktvoll vermied sie es, die blauen Flecken auf Danias Armen anzusprechen. Sie war der einzige Mensch, bei dem sich Dania auch nur ein bisschen aufgehoben fühlte, niemand anders war je so nett zu ihr gewesen. Es war ein riesiger Glücksfall, dass sie sie hier im siebten Bezirk getroffen hatte. Dania war sich sicher, heute würde ein guter Tag werden.

Stepanie klopfte ihr auf die Schulter. „Du, ich muss langsam wieder zurück zu meiner Tochter. Hat mich gefreut, dich zu sehen! Pass auf dich auf, und sag Bescheid, wenn du etwas brauchst. Bewahr dir deine Unabhängigkeit. Und kauf dir doch auch mal etwas zu Essen, nicht nur Brocken!“ Mit diesen Worten steckte sie Dania ein paar Flammlinge zu.

Dania bedankte sich begeistert und umarmte sie zum Abschied. „Ich besuche euch alle. Demnächst.“

Sie verabschiedeten sich und Dania ging mit leichtem Schritt weiter. Vielleicht würde sie Stepanie und ihre Familie öfter sehen, wenn sie geglaubt hätte, dass sie ihre Zuneigung verdient hatte. Ihre Herzlichkeit hatte einen bitteren Beigeschmack für Dania – die Gewissheit, dass sie nie ein so sorgloses Leben würde führen können, wie ihre Freundin.

Danias Leben bestand aus Schmutz, Abfall und Gewalt. Und sie wusste, dass sie es verdient hatte. Das war das Leben, das Frauen in Lagon eben blühte, wenn sie unabhängig bleiben wollten.

Dania hatte noch eine andere Freude im Leben, und das war Brocken. Lustig, wie so vieles in meinem Leben mit Unrat zu tun hat. Brocken war die beliebteste Droge Lagons, und wurde gewonnen, indem man die Exkremente eines Wombats zu einem festen Klumpen kochte. Von diesem Klumpen brach man dann einzelne Stückchen ab, daher der Name der Droge.

Dania hatte noch nie einen Wombat gesehen, und bisher nur von den mystischen Tieren gehört. Ihnen wurde nach gesagt, dass sie J‘zharr die Flamme getötet hatten. Ihre Körperflüssigkeiten hatten alchemische, aufputschende und bewusstseinserweiternde Eigenschaften. Sie wurden nur für ihre Existenz vom Orden gejagt, die die Tiere bis aufs letzte Exemplar ausrotten wollten, bis die gesamte Insel, auf der der Stadtstaat Lagon sich befand, frei von Bor und Brocken war.

Der Orden der Flamme war neben den ehrbaren Dieben die größte Gefahr, der Dania sich im Alltag ausgesetzt sah. Die Diebe mochten sie in ein Bordell stecken und den Großteil des Lohns abnehmen, wenn sie sie bei der Arbeit erwischten. Indem sie ab und zu einem von ihnen eine Gefälligkeit erwies, ließ sich das jedoch abwenden.

Doch die Inquisition sah es als ihre Aufgabe an, Prostitution, Homosexualität, Alchemie und Drogenkonsum in ganz Lagon auszurotten, und die Hälfte davon war fester Bestandteil von Danias Alltag. Wenn die Inquisitoren sie fanden, würden sie sie mit ihren Flammensplittern reinigen, bis sie nur noch ein Häufchen Asche war. Den ehrbaren Dieben wich sie aus, doch vor der Inquisition hatte sie blanke Angst.

Sie betrat den Hinterhof, in dem die ehrbaren Diebe ihre Geschäfte abwickelten. In der Mitte des Hofs stand ein Mann mit einer Ballonmütze, die den ehrbaren Dieben als Erkennungszeichen diente. An der Wand lehnte ein Junge. Beide waren offensichtlich bewaffnet.

Sie drückte dem Verkäufer ein paar Flammlinge in die Hand. Der gab dem Jungen, der sich betont lässig gab, ein Zeichen. Der Junge zog ein paar Brocken aus der Tasche und drückte sie Dania in die Hand. Dann ging er um die Ecke, wohl um Nachschub zu holen. Ein ausgeklügeltes System, um zu verhindern, dass sie bei einem Überfall viel Brocken zu verlieren hatten.

Dania grüßte und verließ den Hof. Langsam wurde es dunkel. Das begrüßte sie. Dann konnte sie beginnen, sich eine verlassene Hütte zu suchen, in der sie heute arbeiten würde.

Der siebte Bezirk bestand größtenteils aus windschiefen, selbst gebauten Holzhütten. Immer wieder brannte eine ab, weil jemand beim Kochen nicht aufpasste, und das Feuer griff dann um sich. So hatte sie auch ihren letzten Verschlag verloren. Doch wo auch immer Platz war, bauten die Bewohner des siebten Bezirks sofort neue Hütten hin, und so zogen sich verschiedene Lagen an Trümmern, Asche, und Überreste durch notdürftige Bretterverschläge, die keinen Schutz und kaum Privatsphäre boten.

Viele dieser Hütten waren verlassen. Die meisten Bewohner des siebten Bezirks versuchten, nicht lange hier zu bleiben, und einen Job im fünften Bezirk zu ergattern, wo billige Arbeitskräfte gern gesehen waren. Die Miliz, die mit drakonischer Willkür versuchte, gegen die Diebe anzukommen, war für einige vorzeitige Tode in der Bevölkerung verantwortlich; außerdem grassierten Krankheit und Raubüberfälle, die die Bewohner am laufenden Band dezimierten.

Der Bezirk wuchs dennoch stetig; alle Ausgestoßenen der Gesellschaft, die im Rest Lagons gescheitert waren, wurden früher oder später im siebten Bezirk angespült. Dania war eine der wenigen, die bereits hier aufgewachsen waren, und sie kannte den Bezirk und seine ungeschriebenen Gesetze deswegen wie eine Westentasche. Die meisten hier hatten jedoch nicht ihre Erfahrung.

Eine verlassene Hütte für ihre Arbeit zu finden, war nicht schwierig. Abschließbar war die Hütte ohnehin nie gewesen, also kam sie ohne Probleme durch die windschiefe Tür. Innen fand sie zu ihrer Freude sogar eine alte Matratze vor. Das machte ihre Arbeit um einiges angenehmer.

Zeit, sich eine Straßenecke zu suchen, an der viele einsame Männer, aber wenige ehrbare Diebe vorbei kamen. Es gab nicht viele dieser Ecken. Sie musste sie ständig wechseln. Doch es gab auch nicht viele freie Huren wie sie, und so erwartete sie keine Probleme mit Konkurrentinnen.

Die Männer waren natürlich ein anderes Kaliber. Sie hatte verschiedene Kunden; Laufkundschaft, die sich spontan zu einer Nacht mit ihr entschieden, war am seltensten und am angenehmsten. Stammkunden hatte sie keine. Die meisten Männer, die zu ihr kamen, konnten sich ein Bordell der ehrbaren Diebe entweder nicht leisten oder hatten dort Hausverbot.

Kein Wunder also, dass sie von ihrer Arbeit so viele blaue Flecken davon trug. Bisher hatte sie wenigstens nie bleibende Verletzungen erlitten, doch sie konnte es sich nicht leisten, zu warten, bis sie von selbst weggingen, und setzte lieber auf die Dunkelheit.

Bevor sie losging, entschloss sie sich, eine Dosis Brocken zu nehmen. Es half bei der Arbeit; auf Brocken war man davon überzeugt, dass man alles schaffen konnte. Die Halluzinationen störten sie nicht, sie konnten eine schnelle Nummer mit einem Fremden eher versüßen. Und dann war da noch der eine Nebeneffekt, den niemand ganz verstand: manchmal, wenn man Brocken nahm, und Gefühlsausbrüche oder starke Impulse hatte, passierten komische Dinge um einen herum. Dania verstand jedoch nichts davon und scherte sich nicht darum.

Endlich. Zwei Tage ist es schon her. Es war eine Sucht, die nicht allzu schwer zu stillen war. Brocken war im siebten Bezirk nicht teuer, sonst hätte es sich niemand leisten können. Wombatzucht und Brockenhandel grassierten; die Miliz kam gegen die ehrbaren Diebe nicht an, und nur die grausamsten Inquisitoren schreckten nicht davor zurück, ihre Flammensplitter zu gebrauchen, wenn das gesamte Viertel um sie herum aus Holz bestand.

Sie machte sich eine Line bereit und zog sie durch die Nase.

Das angenehme Kribbeln. Erfüllung. Hihi, wenn man bedenkt, dass ich jetzt Tierscheiße in der Nase habe. Scheiße, innen wie außen. Belustigung, Ruhe. Es passt so gut.

Auch wenn es nur eine kleine Dosis ist, sie wird einen großartigen Tag haben.

Stepanie glaubt, dass ich hübsch bin. Stolz. Sie hat meine Flecken gar nicht gesehen. Und richtig, als Dania ihre Arme ansieht, sind sie verblasst; nur wenn man genau hinsieht, sind noch Schatten zu sehen. Als würde ihre Herzlichkeit mich heilen.

Sie springt auf. Jetzt erst mal ein, zwei einsame Männer von anderen Dingen heilen. Sie greift sich die kleine Handtasche, in der sich alle ihre Habseligkeiten befinden, schminkt sich, und verlässt die Hütte.

Es ist noch nicht ganz dunkel. Die Kreuzung ist noch leer, aber bald werden die ersten Nachtschwärmer hier durchkommen. Zwei betrunkene Frauen schlendern vorbei. Dania spricht sie an, ob sie an ihren Diensten interessiert sind. Die beiden verstehen sie falsch und glauben, dass sie sie um etwas Schnaps bittet. Entrüstet zieht die eine ihre Freundin weiter.

Der nächste Mann entschuldigt sich mit Verweis auf seinen Ehering, die nächsten zwei würdigen sie nur eines abschätzigen Blickes und gehen nicht auf ihre Avancen ein. Langsam werden die Straßen wieder leerer.

Dania ist nicht die geduldigste, doch die witzigen Farbkringel, die vor ihren Augen auf der Kreuzung auf und ab tanzen, belustigen sie.

Na, wollt ihr eure Zeit mit mir vertreiben, ihr Irrlichter? Staunen. Beinahe übersieht sie den nächsten Mann, der vorbei stolpert. Sie riecht seine Fahne, bevor sie ihn erblickt.

Betrunkene sind oft ein guter Fang, doch dieser hier reagiert nicht auf ihre Ansprache. Er scheint sie in seinem Suff nicht zu bemerken.

Es will mir sagen, dass hier ein schlechter Ort ist. Da bin ich mir sicher. Dania hat nie lesen gelernt, doch es kann ja sein, dass die Irrlichter Buchstaben in die Nacht schreiben. Können sie das, wenn es sie nur in meinem Kopf gibt?

Sie schlendert also zur nächsten Kreuzung. Hier sind mehr Leute unterwegs, und sie beginnt fleißig und überschwänglich, den vorbei laufenden Männern ihre Vorzüge anzupreisen. Hier läuft es erheblich besser, und es dauert kaum zehn Minuten, bis einer stehen bleibt, und sie von oben bis unten mustert. Er sieht besser aus als die meisten ihrer Kunden, wenn auch etwas beleibt.

„Du leuchtest ja.“ stellt er verwundert fest.

Dania wundert gar nichts mehr. „Willst du auch leuchten? Sieh es als Zeichen.“ Freude, Offenheit. Sie gleitet langsam an ihn heran und lässt ihn ihren Geruch schmecken. Sie flüstert ihm ins Ohr: „Du hast doch wohl ein wenig Zeit, oder? Du willst mich doch nicht enttäuschen.“

Er kann nicht alle seine Reaktionen verbergen. „Wie viel?“, fragt er nur.

Dania nennt ihm einen relativ hohen Preis, fügt dann aber an, dass sie bei seinem Aussehen gerne auch ein wenig damit herunter geht. Er reagiert auf die Schmeichelei, viel Erfahrung mit Huren wie ihr scheint er nicht zu haben. Also nimmt sie ihn mit.

An ihrer Hütte angekommen, lässt sie ihn machen. Sie hat keine Lust, wirklich die Initiative zu ergreifen. Die Männer wissen für gewöhnlich, was sie wollen, und lassen sich da ungern reinreden.

Schnell sind seine Hände überall. Sie verlangt das Geld, bevor sie sich auszieht. Sie linst in seine Börse, als er die Münzen herausholt, und merkt, dass sie einen viel zu niedrigen Preis angesetzt hat. Wer ist dieser Mann, dass er so viel Bargeld dabei hat?

Gier. Später vielleicht. Mal sehen.

Als sie nackt ist, knöpft sie sein Hemd auf. Er hält sie jedoch am Handgelenk fest und hindert sie daran. „Nein. So nicht.“ Er stößt ihre Hand weg. „Zu schmutzig.“ Er zieht es selbst aus.

Schmutzig. Dania ist sofort tief beleidigt. Natürlich hat er Recht, sie ist schmutzig. Immerhin wohnt sie im siebten Bezirk. Doch nun fühlt sie sich auch so. Sofort leuchtet sie etwas weniger hell.

Er legt sein Hemd sorgfältig zusammen auf den Tisch, der in der Ecke steht. Dania bezweifelt, dass es dort sauber bleibt, doch sagt nichts. „So, jetzt. Fass mich an.“ Sie besinnt sich auf ihre Arbeit und fährt ihm durch die Brusthaare.

Ich hasse Brusthaare. Tierchen. Ekel. Sie hatte in ihrer Karriere einige Krabbeltierchen aus Brusthaaren gefischt. Dieser hier schien sauber zu sein. Doch ihrer Abneigung gegen Körperbehaarung tat das keinen Abbruch. Sie zwang sich, ihn zu küssen, während er ihre trockene Vulva entlang fuhr, in der Hoffnung, dass sie ein Kuss wenigstens etwas feucht machte.

Mit der anderen Hand griff er ihr an die Brust und drückte zu, ein wenig zu fest. Nach einer Weile, als sich bei ihr unten nichts regte, stieß er sie mit dieser Hand von sich. „Los, leg dich hin“, befahl er ihr, während er seine Hose aufschnürte.

Sie feuchtete einen Finger an und bemühte sich selbst ein wenig, während sie ihm beim entkleiden zusah. Sein Schwanz war nicht allzu groß, und sie war froh darüber. Er schien auf den ersten Blick auch gesund zu sein. Alles in allem würde es kein Problem werden.

Er kniete sich nackt über sie und fühlte abermals, ob sie feucht genug war. Ungeduldig steckte er ihr zwei Finger in den Mund. Dania war unvorbereitet, doch gab sich alle Mühe, an ihnen zu lutschen, während sie brutal ihren Mund erforschten.

Er zog sie wieder raus, und Dania spürte einen durchdringenden Schmerz, als er sie mit einem Mal in sie hineinsteckte. Er verging schnell, als er sie bearbeitete, doch sie musste ein wenig mit dem Finger nachhelfen, damit es ihr gefiel. Zusätzlich auch noch genießerisch auszusehen wurde immer schwieriger.

„Fass meinen Schwanz an. Er ist ja noch nicht einmal hart.“

Dania beeilte sich, dem Folge zu leisten. Umso schneller würde er ihr Loch in Ruhe lassen. Seine Fingernägel waren wirklich unangenehm. Sie beugte sich vor und nahm ihn auch ein wenig in den Mund, und er wurde schnell größer, bis er ihn aus ihrem Mund riss und weitermachen wollte.

Er ergriff ihren Hintern mit beiden Händen und hob ihren Unterleib hoch. Sie teilte ihre Lippen mit den Fingern, und grob fand er ihre Öffnung. Er kniete vor ihr, hielt sie auf Hüfthöhe, und stieß mit seinen Lenden rhythmisch zu. Dania fing routiniert zu stöhnen an.

Dania musste sich mit ihren Ellenbogen in die Luft hieven, damit ihr Rücken nicht unbequem durch bog. Eine sehr anstrengende Stellung, doch der Kunde war König. Sie sprachen kein Wort, und sie konnte nur an seinem Grunzen ablesen, dass es ihm gefiel.

Das Brocken hatte mittlerweile seine Wirkung auf sie verloren, dieser armselige Schwanz war ernüchternd. Sie sehnte sich nach noch einer Line, doch erst einmal musste sie diesen Typen zu Ende ficken. Und er braucht sowieso schon viel zu lange.

Sie schlug einen Stellungswechsel vor, und er nahm sie wie ein Tier von hinten. So hatte sie wenigstens die Hände frei, um sich selbst zu berühren, und es fühlte sich bald besser an. Es war auch einfacher, begeistert zu klingen.

„Na, du Schlampe, gefällt dir das?“

Sie entschloss sich, dass es Zeit war, einen Orgasmus vorzutäuschen, und beschleunigte ihr Stöhnen. Kurz davor, und sie nahm die Hand von ihrem Kitzler, um sich besser, abzustützen, als…

Er entlud sich in sie, simultan zu ihrer Vorstellung. Sie zog es dennoch durch und hechelte erschöpft ein paar letzte Seufzer heraus. Wahrscheinlich gefiel ihm, dass sie zusammen gekommen waren. Nicht, dass das jetzt noch von Bedeutung war.

Er zog ihn heraus und ließ sich neben sie auf die Matratze fallen. Er würde ein paar Momente brauchen.

Wenn ich an sein Geld will, muss ich jetzt handeln. Gleich hat er sich gefangen. Seine Hose liegt auf dem Boden…

Sie beglückwünschte ihn, während sie ihr Kleid über den Kopf zog. „Das hat schon lange keiner mehr bei mir geschafft.“ Er lächelt nicht. Hört er zu?

Sie griff nach ihrer Handtasche, tat aber so, als würde sie straucheln, und ließ sie auf den Boden fallen. Nun lagen sowohl seine Hose, also auch ihre Tasche in Griffweite.

„Ich Tollpatsch.“ seufzte sie, als sie sich bückte.

Jetzt.

Dann griff sie blitzschnell mit einer Hand nach ihrer Tasche, mit der anderen nach seiner Hose. Sie sprang auf und rammte mit ihrer Schulter die Tür der Hütte auf. Sie stürzte nach draußen.

Die Straße stach sie unangenehm in die Fußsohlen, als sie dahin sprintete, doch sie wollte mindestens um zwei Ecken sein, bevor sie sich sicher fühlte. Ob er mir überhaupt nachrennt, ohne Hose? Bestimmt, ohne Hose die Hütte verlassen muss er ja so oder so.

Sie hetzte voran. Der Samen, der ihr Bein herunterlief, eine unangenehme Erinnerung. „Bleib stehen, du Hure!“ Da vorne eine Ecke. Er kam hinterher.

Sie bog um die Ecke. Was für ein Pech, Milizionäre. Drehte sich um hundertachzig Grad und rannte in die andere Richtung, konnte der greifenden Hand ihres Freiers knapp ausweichen.

Da stieg sie in einen weichen Haufen Scheiße, den sie in der Dunkelheit übersehen hatte. Ruderte mit den Armen, doch es half nichts, sie konnte das Gleichgewicht nicht halten, und ihr Verfolger sprang ihr mit seinem ganzen Gewicht in den Rücken, sodass sie beide sehr unsanft im Dreck landeten, er auf ihr.

„Du dumme Hure dachtest wohl, du könntest mich ausrauben, na warte!“ Er versetzte ihr einige harte Schläge auf den Hinterkopf.

„Hilfe!“, rief Dania, den Mund voll Stroh, wenn auch nicht Schlimmerem. Die Milizionäre waren doch nur wenige Meter weiter…

„Was tust du denn da, Soldat elf?“ – „Und warum hast du keine Hose an?“ Dania hörte lautes Lachen.

Ihr Freier schimpfte. „Diese trockene Hure meinte, sie müsste mich unbedingt ausrauben. Eine Schande, dass wir nicht zu den richtigen Bordellen gehen können. Mit denen hier hat man wirklich nur Probleme.“ Er zog ihren Kopf hoch und spuckte ihr von der Seite ins Gesicht.

Er stand auf und stieg von ihr herunter. „Na, wollt ihr beiden auch nochmal? Sie ist jetzt aber schon etwas zu weit für eure schrumpeligen Pimmel, nehme ich an.“ Dania sah durch einen Tränenschleier, wie er seine Hose wieder anzog, und ihre Handtasche an sich nahm.

„Nein danke, die ist ja voll mit Scheiße. Du auch, übrigens. Mann, elf, das wird eine witzige Geschichte morgen beim Frühstück.“

Wie konnte ich nur so dumm sein und einen von der Miliz ficken. Das war das letzte, was Dania dachte, bevor Soldat elf ihr gegen den Kopf trat und sie das Bewusstsein verlor.

Author: compl4xx

complÄxx schreibt beruflich Blogposts; und freiwillig Songtexte sowie ein Buch. Als Aktivist kämpft er dafür, den Zugang zu Kunst, Kontinenten, und U-Bahnen für alle zu ermöglichen. Eigentlich wäre er gerne Hacker.

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